(c) Interieur Verlag

Küchen-News

sanitaer+heizungsnews - aktuelle Infos der Küchen-, Zubehör- und Hausgerätebranche. News für Insider. mehr…

Zweiter Vorstand bei der SHK AG: Rettungsanker oder Sündenbock?

Titelbild shn 1/2018 (Bild: Repina Valeriya/shutterstock)

Die strategische und zwischenmenschliche Bilanz von Harald Belzer, seit knapp eineinhalb Jahren Alleinvorstand bei der SHK AG in Bruchsal, nimmt sich verheerend aus, wie immer mehr Stimmen verlauten lassen: Eingeschüchterte Mitarbeiter, Kündigungen von Gründungsgesellschaftern – und zwei Tage vor Weihnachten haben drei SHK-Führungskräfte, die im Wesentlichen den Marktzugang der SHK AG repräsentieren, dem ungeliebten Vorstand ihre Kündigungen auf den Tisch gelegt (sanitär+heizungnews berichtete online vor Weihnachten).Kann das neu hinzugestoßene zweite Vorstandsmitglied Sven Mischel es richten?

„Die Tinte unter meiner Kündigung ist noch nicht trocken,“ bestätigte Georg Lauinger (Vertriebschef der SHK AG) die Trennung gegenüber der sanitär+heizungnews-Redaktion am 22. Dezember. Neben Lauinger nahmen Steffen Piffkowski (Lieferantenmanagement/Einkaufschef) und Anja Hafner (Organisation, Forderungsmanagement und Vorstandsassistentin) den Hut. Alle drei werden zu einer neu zu gründenden Organisation stoßen, in der rund 20 Ex-Gesellschafter der SHK AG künftig zusammen mit dem früheren Vorstandschef Holger Kachel gemeinsam einkaufen wollen. Der SHK AG geht damit zunächst ein beachtliches Umsatzvolumen verloren. Unter den Abgängen sind etliche Gründungsgesellschafter des Verbands und auch große Unternehmen, so dass die neue Organisation aus dem Stand auf ein ansehnliches Umsatz- und Einkaufsvolumen kommen würde.

Fragt man nach dem Grund der externen und internen Kündigungswelle, wird (im Vertrauen) immer wieder auf die Chefetage in Bruchsal verwiesen: Harald Belzer, so der allgemeine Tenor, gehe es nur um die Macht. Er agiere planlos, er gelte als sprunghaft in seinen Entscheidungen und habe seit seinem Eintritt in den Vorstand viel Vertrauen verspielt. Belzer setze auf externe Berater – weit mehr als auf die Erfahrung eigener Mitarbeiter: Nach diesem Strickmuster habe die SHK AG in den vergangenen drei Jahren beispielsweise in eine glücklose Kampagne zur Internet-Leadgenerierung für die Mitgliedsbetriebe enorm viel Geld investiert. Einer der involvierten Testbetriebe bewertet die mindestens eine Million Euro schwere Kampagne rund um Internetseiten für Mitglieder und Nachfragegenerierung über Suchmaschinen heute als „Alimentierung von spätpubertierenden Computer-Nerds“. Gemeint sind diverse Internetagenturen, die mit großen Versprechen, im Wesentlichen aber mit dicken Rechnungen aufgefallen seien. Ergebnisse im Bereich Leadgenerierung gab es wenig bis keine. Aber Geld war und ist ja in Bruchsal reichlich vorhanden. Ein Gesellschafter betonte gegenüber unserer Zeitung: „Das Geld wurde mit vollen Händen ausgegeben, und niemand hat in dem Chaos um Bei- und Aufsichtsrat, Vorstand und Nicht-Vorstand nachgefragt, was die Internet-Kampagne gebracht oder gekostet hat.“

Auch im Umgang mit Gründungsgesellschaftern zeige der SHK Vorstandschef wenig Einfühlungsvermögen: Belzer habe den Beirat „umgestaltet“ – mehrere kritische Beiratsmitglieder seien mit harten Bandagen aus dem Gremium gedrängt und durch weniger kritische Geister ersetzt worden. Belzer habe es geschafft, jede kritische Haltung zu Belzer als geschäftsschädigende Haltung gegen die SHK umzudeuten. Auch hier macht ein Gesellschafter der SHK AG seinem Unmut Luft: „Bezeichnend ist doch, dass Harald Belzer an nichts schuld ist, schuld sind immer die anderen. Der Betriebsrat hat sich doch nur gegründet, weil die Mitarbeiter Angst vor Belzer haben. Weder die Mitarbeiter, noch die Gesellschafter kündigen einfach so. Wir sind oder waren alle stolz auf diesen Verband und wünschen nur, dass er seine alte Strahlkraft wiedererlangt.“

Einen Hoffnungsschimmer gebe es bei den verbliebenen Mitarbeitern und manchen Gesellschaftern aber noch: Seit 1. Januar ist mit Sven Mischel ein weiteres Vorstandsmitglied mit an Bord des Einkaufsverbandes. Die bange Frage, die sich vielen stellt: Wird Mischel zum Rettungsanker oder muss er den Sündenbock geben? Denn bei aller Planlosigkeit – in einem beweise Harald Belzer großes Geschick: Er schaffe es immer wieder, sich bei den maßgeblichen Aufsichtsräten ins rechte Licht zu rücken. Da passt die weit verbreitete Einschätzung ins Bild, dass Lauinger, Piffkowski und Hafner gekündigt hätten, weil ihnen Mischel vor die Nase gesetzt worden sei. Was, wenn der Absetzbewegung von Mitgliedsbetrieben dieselben Motive innewohnen, wie denen der Mitarbeiter? Was, wenn das Problem im Vorstand sitzt und „Haltet den Dieb“ schreit? Der Mitgliederverlust der SHK setzt nicht erst heute an, wie wir aus informierten Kreisen erfahren. Bis zur Jahreshauptversammlung in Dresden hätten über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren rund 50 Mitglieder gekündigt. Weitere 30 Kündigungen seien seit der Jahreshauptversammlung in Dresden zu beklagen. „Der Verlust von 80 Mitgliedern in zwei Jahren ist garantiert nicht leicht aufzufangen“, vermutet unser Informant zu Recht.

Jedenfalls erlebe die SHK eine beispiellose Austrittsbewegung vor allem potenter Betriebe. Ziel der Bewegung sei nicht nur die angestrebte Neugründung eines Verbandes, vielmehr trage auch der neue Umgangston und das Geschäftsgebaren in Bruchsal dazu bei, dass sich etliche Mitglieder zum Ausstieg entschlossen hätten. Die Einkaufs-Konditionen des neuen Verbandes dürften stimmen, denn die hat das Management-Dreigestirn, das von der SHK AG kommt, ja noch im Kopf. Der neue Verband könnte damit zur interessanten, da schlanken Alternative für Betriebe werden, die die Marketingleistungen der SHK nicht kaufen wollen oder müssen, weil sie diese auch in Eigenleistung stemmen können. Aber auch Mitbewerber unter den Einkaufsverbänden berichten über Zugänge und klare Anfragen unzufriedener SHK-Mitglieder. Mit Clemens Maurer (Maurer Schramberg) zeigte sich ein potentes Mitglied der SHK verwundert, dass seine Trennung von der SHK AG von Belzer öffentlich gemacht worden sei. Er betonte im Gespräch mit der Redaktion: „Wir planen keinen neuen Verband. Wir machen unseren Einkauf jetzt selber.“

Mit Alfred Bock hat die SHK AG einen als besonnen geltenden Handwerksunternehmer als Aufsichtsratsvorsitzenden, der das Votum der Mitglieder für ein zweites Vorstandsmitglied auch gegen Belzers Widerstand umgesetzt hat. Mischels großes Plus: er kennt die SHK-Branche, er spricht die Sprache des Handwerks. Eigentlich eine gute Ergänzung zum Machtmenschen Belzer, der sich in Zahlen und Paragrafen am wohlsten fühlt. Belzer war in den zehn Jahren im Vorstand der SHK AG in der Branche nicht aufgefallen, galt als unbeschriebenes Blatt. Die Kontakte zu Industrie, Marktteilnehmern und Lieferanten haben unter dem Alleinvorstand Belzer, Lauinger und Piffkowski gehalten und dabei – so hören wir - zuweilen mit grotesken Kapriolen vermieden, dass der Vorstandschef am Markt mit in Erscheinung tritt und Porzellan zerdeppert. Bewusst wurde Belzer, so heißt es aus berufenem Munde, von Lieferanten- und Industriegesprächen ferngehalten.

Einzig zu seinem Aufsichts- und Beirat pflege Belzer ein inniges, ja fast serviles Verhältnis, heißt es aus Unternehmenskreisen. Belzer lasse sich diensteifrig jede Tätigkeit vom Beirat genehmigen, die über die Beschaffung von Büroklammern hinausgehe. Jedes Info-Schreiben an die Mitglieder werde dem Aufsichtsrat zum Absegnen vorgelegt. Wie sehr Belzer an der Beziehungspflege zu seinem Aufsichtsrat gelegen ist, lasse sich auch an der Bezahlung des Gremiums ablesen. Die sei in Belzers alleiniger Verantwortung um rund 300 Prozent, auf 210.000 Euro im Jahr angehoben worden. Dass sich angesichts dieser großzügigen Versorgungslage im Kontrollgremium wenig Widerspruch regt – ein Schelm, der Böses dabei denkt.

In einem Rundschreiben an Gesellschafter, Mitglieder und Partner zum Jahreswechsel gibt sich Harald Belzer - wie immer in der Öffentlichkeit – verbindlich bis weltmännisch. „Wir freuen uns, Sie alle erstmals gemeinsam als ihre Vorstände unserer SHK zum neuen Jahr begrüßen zu dürfen.“ Dann folgt der Hinweis auf die gleichberechtigte Arbeit der Vorstände und die Neubesetzung der Positionen. „Beigetragen zu diesem Erfolg haben auch Georg Lauinger und Steffen Piffkowski im Vertrieb und Anja Hafner im Bereich Assistenz.“ Alle drei hätten sich entschlossen, „die SHK zu verlassen und neue Aufgaben zu suchen“. Gegenüber Mitarbeitern in Bruchsal klang das jetzt ganz anders. Zum neuen Jahr sagte Belzer über die Kündigung der drei Führungskräfte, es handele sich nur um 1,5 Stellen – das sollte man doch nicht überbewerten.


Fotogalerie

Sven Mischel (li.) steht künftig an der Seite von Harald Belzer




Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare hinterlegt.



×